Analphabetismus in einer Welt voller Buchstaben
 

Nur mit großer Mühe lesen und schreiben zu können, ist ein Problem, mit dem sich viele Menschen alleine fühlen. Doch das ist falsch: In Deutschland gibt es rund 7,5 Millionen Analphabeten, davon 750 000 in Niedersachsen. Das bedeutet, dass fast jeder zehnte Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben kann und somit als funktionaler Analphabet gilt.

Viele Menschen gehen davon aus, dass es höchstens in Entwicklungsländern Analphabeten gibt, da es dort oft nicht möglich ist, in die Schule zu gehen. Aber auch das ist falsch.

Die Gründe für Analphabetismus sind vielfältig: Es gibt individuelle, familiäre oder sogar gesundheitliche Erklärungen dafür, dass Menschen in Kindesalter nicht richtig lesen und schreiben gelernt haben.

 

Wenn sie zum Beispiel im ersten Schuljahr aus häuslichen Gründen oft gefehlt und somit den Anfang des Lese- und Schreib-Unterrichts verpasst haben. Oft ist es dann nicht möglich, das Verpasste aufzuholen.

 

Eine andere Erklärung ist die fehlende Förderung in der Familie. Stammen Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern, haben sie es oft schwer.  

 

Auch das Geburtsjahr bzw. der Geburtsort können die Ursache für Analphabetismus sein: Wenn Kinder während des Krieges oder in Kriegsgebieten aufgewachsen sind, hatten sie oft keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen.

Die Folgen einer solchen Vergangenheit können Schwierigkeiten in verschiedenen Situationen sein, wie beispielsweise ein Arztbesuch oder die Vorbereitung einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

 

Die dabei auftauchenden Schwierigkeiten haben allerdings nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun hat. Vielmehr verhält es sich so, dass Analphabeten häufig Kompetenzen wie ein gutes Gedächtnis entwickeln, um trotz Analphabetismus erfolgreich durchs Leben kommen.

Erst Ende der 70er Jahre ist das Phänomen Analphabetismus in Deutschland ins Bewusstsein einer kleinen Öffentlichkeit gelangt, so dass Anfang der 80er Jahre erste Kurse angeboten wurden, bei denen man als Erwachsener Lesen und Schreiben lernen konnte. Im Jahr 1985 bot auch die VHS Osnabrück erste Lese- und Schreibkurse für Deutschsprachige an. 1992 kamen Kurse für Migrantinnen und Migranten hinzu und 2007 schließlich die ersten Integrationskurse. 

Inzwischen führt die VHS Osnabrück in diesem Bereich jährlich rund 6.000 Unterrichtsstunden durch, und zwar sowohl für Muttersprachler als auch für Migranten und Migrantinnen und für sogenannte „langsame Lerner“.
 

Vor dem Kurs gibt es immer ein Beratungsgespräch. Hier geht es um allgemeine Informationen und eine Lese- und Schreibprobe, um jeden individuell in einen passenden Kurs vermitteln zu können.

Das Standard-Angebot umfasst Grund- und Aufbaukurse „Lesen und Schreiben“ für Deutsche und Migranten sowie einen Intensivkurs für Erwerbslose. Außerdem werden 5 Integrationskurse Alphabetisierung angeboten sowie ein Grundbildungsprogramm zu den Themen Rechnen, Computer, Aussprache und Konversation.

Wer den ersten Schritt wagt, kann mit guter Beratung einen passenden Kurs finden und dann langsam Lesen und Schreiben lernen.

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